Ausländische Studenten in der Regel nicht ausreichend versichert

Ausländische Studenten in der Regel nicht ausreichend versichert

Der Fall: Ein ausländischer Student brach mitten im dritten Semester zusammen. Das hohe Lernpensum, seine finanziellen Probleme und das Leben in der Fremde – all das sorgte dafür, dass der erst Mitte-20-Jährige psychisch zusammenbrach und als Notfall ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Die Behandlungskosten summierten sich aufgrund seines wochenlangen Klinikaufenthalts auf rund zehntausend Euro und die Krankenkasse wollte nicht zahlen. Der Grund: In seiner Police waren Psychotherapien und Vorerkrankungen ausgeschlossen.

Versicherungspflicht besteht auch für ausländische Studenten

Ein Anwalt machte die Bundesaufsichtsbehörde der Spitzenverbände der Versicherungswirtschaft sowie das Bundesgesundheitsministerium auf diesen Vorgang aufmerksam, sodass die Versicherung doch noch einlenkte. Doch der geschilderte Fall dürfte kein Einzelfall sein. In Deutschland besteht eine gesetzliche Versicherungspflicht, die auch Studenten betrifft. Die meisten inländischen Studenten sind allerdings über ihre Eltern versichert. Auch Ausländer aus der EU-genießen diesen gesetzlichen Versicherungsschutz. Mit rund 30 weiteren Staaten besteht ein entsprechendes Versicherungsabkommen. Doch die Heimat unseres Studenten aus dem Fallbeispiel gehört nicht dazu.

Sämtliche Studienbewerber, die mit Fach- und Sprachkursen die deutsche Hochschulreife anstreben und für ein Jahr oder länger in Deutschland sind, müssen sich für diese Zeit bei einer privaten Versicherung versichern. Betroffen sind hiervon Tausende ausländische Studenten, die überwiegend aus Entwicklungsländern stammen.

Studienbewerber bevorzugen preiswerten Versicherungsschutz

Eine Handvoll privater Versicherer bieten spezielle Tarife zu verlockend geringen Beiträgen an – allerdings auch mit einem entsprechend begrenzten Leistungsumfang. Unser Beispielstudent versicherte sich für noch nicht mal 30 Euro im Monat als Studienbewerber. Jedoch hätte er später als Regelstudent in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln können – doch das tat er nicht. Schließlich ist die gesetzliche Versicherung rund drei Mal so teuer. Dafür bietet sie allerdings auch deutlich mehr Schutz.

Daher verlangen Experten, dass alle ausländischen Studenten, die in Deutschland studieren, automatisch in die gesetzliche Krankenversicherung rutschen. Denn nur so ist wirklich ein umfassender Versicherungsschutz gegeben. Oder sie müssen einen umfassenderen privaten Versicherungsschutz abschließen. Da die Zahl der internationalen Hochschüler gemäß des Koalitionsvertrages der Bundesregierung künftig sogar noch steigen wird, wird das Problem der offensichtlichen Unterversicherung wichtiger denn je. In den nächsten Jahren wird diese Zahl vermutlich um rund ein Drittel auf etwa 350.000 Studenten anwachsen.

Autorin: Christine Krellner (Google+ Profil)
Bildquelle: studying-703002_1280 © BlueOlive – pixabay