Benachteiligung von Kassenpatienten nimmt zu

Benachteiligung von Kassenpatienten nimmt zu

Ärztin im Wartezimmer mit PatientenEine Studie brachte zutage: Kassenpatienten müssen über 50 Tage länger auf einen Facharzttermin waren. Privat versicherte Patienten kommen hingegen deutlich schneller dran, wie Stichproben bewiesen. Was ist also dran an den Patienten zweiter Klasse?

Kassenpatienten fühlen sich nicht nur so, sie sind es meistens auch – Patienten zweiter Klasse! Dies brachte eine Studie ans Licht. Beispielsweise müssen Kassenpatienten deutlich länger auf einen Termin bei einem Facharzt warten als Patienten, die privat versichert sind. Auch die AOK Rheinland bestätigt dies. So Günther Wältermann, Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland/Hamburg: “Die Diskrepanz der Wartezeiten zwischen Patienten der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung (PKV) ist nach wie vor hoch“. Vor allem beim Augenarzt und beim Kardiologen sei die Benachteiligung besonders ersichtlich.

Stichproben bestätigten dies: vier Wochen lagen in den Städten Berlin, Hamburg und München zwischen der Terminvergabe eines Privatpatienten und eines gesetzlich Krankenversicherten. Bei Hautärzten dauerte es sogar noch einmal zwei Wochen länger. Nur in jeder dritten Praxis spielte der Versicherungsstatus bei der Terminvergabe keine Rolle! Grund der längeren Wartedauer ist gemäß des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, dass Privatpatienten für Ärzte lukrativer sind. Dabei ist alleine in 2013 das Ärztehonorar um 5,3 Prozent gestiegen.

So können sich Kassenpatienten wehren

Doch die Bevorzugung der Ärzte von Privatpatienten bei der Vergabe von Terminen ist ein Verstoß gegen den § 13 des Bundesmantelvertrages – Ärzte (BMV-Ä). Demnach darf ein Vertragsarzt – darunter gehören auch Fachärzte – die Behandlung eines Patienten nicht einfach ablehnen. Und wenn, ist hierfür eine Begründung notwendig. Zwar ist eine Verzögerung bei der Terminvergabe einer Behandlung an für sich noch keine Ablehnung einer Behandlung, jedoch kommt eine wochen- oder sogar monatelange Wartefrist fast einer Verweigerung der Behandlung nahe. Daher raten Experten den Kassenpatienten, in solchen Fällen den Arzt zu wechseln. Patienten, die auf diese Art und Weise von ihrem Arzt hingehalten werden, sollten möglichst versuchen, einen anderen Arzt zu finden. Schließlich besteht die notwendige Vertrauensbasis in dem Arzt nach solchen Vorkommnissen kaum noch. Stößt auch das auf Probleme, sollten sich Verbraucher an die Kassenärztliche Vereinigung wenden und dort schriftlich das Verhalten des betreffenden Arztes schildern und um Intervention bitten.

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Autorin: Christine Krellner (Google+ Profil)