Manipulationsverdacht – manipulieren Krankenkassen die Krankheiten ihrer Versicherten?

Manipulationsverdacht – manipulieren Krankenkassen die Krankheiten ihrer Versicherten?

Doctor with senior male patient on USA Hospital wardBei einer routinemäßig durchgeführten Überprüfung des Kalenderjahres 2009 stellte das Bundesversicherungsamt (BVA) bei 59 der von 134 geprüften Krankenkassen Auffälligkeiten hinsichtlich der übermittelten Daten zu den Diagnosen fest. Dies geht aus einem Brief der Aufsichtsbehörde an die GKV (Spitzenverband der gesetzlichen Kranken-versicherungen) hervor. Offensichtlich wurden die Versicherten kranker dargestellt, als sie tatsächlich waren. Diese Übertreibung kann für die Kassen sehr lukrativ sein, denn je mehr Kranke und Alte aufgewiesen werden, desto mehr Geld erhalten diese aus dem Gesundheitsfonds.

Herzinfarkte stiegen innerhalb eines Jahres um 280 Prozent

Auffällig an den Daten war, dass zum Beispiel die Zahl der Herzinfarkte, die eine bestimmte Betriebskrankenkasse meldete, innerhalb nur eines Jahres um 280 Prozent gestiegen war. Und auch bei einer Ersatzkasse gab es beachtliche Zunahmen: Obwohl die Steigerungsrate im gesamten Kassensystem für Hautgeschwüre lediglich bei 1,5 Prozent lag, gab diese eine Steigerung von über 30 Prozent an.

Jens Spahn, CDU-Politker und Gesundheitsexperte der Union, nannte es völlig inakzeptabel „(…), wenn einzelne Kassen Daten manipulieren oder manipulieren lassen, um mehr Geld zu bekommen.“ Der GKV-Spitzenverband erwiderte hingegen, dass „statistische Auffälligkeiten nicht mit Manipulationen gleichzusetzen“ seien. Und auch das Gesundheitsministerium selber warnte vor allzu schneller Skandalisierung. Denn zunächst müssten die Krankenkassen die Gelegenheit erhalten, sich zu den Auffälligkeiten zu äußern – so ein Sprecher der GKV.

In Schreiben der BVA wurde darauf hingewiesen, das auch technische Gründe für diese Falschmeldungen verantwortlich sein könnten. So hätten beispielsweise noch vor kurzem die deutschen Augenärzte wegen eines in ganz Deutschland verbreiteten Softwarefehlers gewöhnliche Augenerkrankungen jahrelang als HIV-Erkrankung melden müssen. Und die auffällig hohen Veränderungsraten könnten durchaus auch nur auf einigen wenigen Fälle beruhen. Bei der 280-prozentigen Zunahme der Herzinfarkte handele es sich zum Beispiel um eine Zunahme von fünf von 19 Fällen.

Erneute Rüge der BVA

Erst vor kurzem musste die BVA die Krankenkassen bereits schon einmal rügen. Ihnen wurde eine Diskriminierung von alten und kranken Versicherten vorgeworfen. Um sie loszuwerden, wurden Leistungen verweigert. Versicherer hatten zuvor jahrelang die Übernahme von notwendigen Rehabilitationen, Krankengeld oder Hilfsmitteln abgelehnt. Damals kündigte Bundeskanzlerin Merkel an, die Bewilligungspraxis der Krankenkassen überprüfen zu lassen. Sie versprach dem Bundestag „Wir gehen solchen Vorwürfen nach“. Den betroffenen Krankenkassen drohen Informationen zufolge finanzielle Sanktionen. Sollte es ihnen nicht gelingen, die extremen Abweichungen von den sonst üblichen Zahlen der Krankheitsbilder zu erklären, drohen ihnen eine Kürzung der Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds.

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Autorin: Christine Krellner (Google+ Profil)