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Behandlungsfehler: Krankenkasse muss beraten

KrankenhausHaben Patienten einen Verdacht, dass ein Behandlungsfehler vorliegt oder dass ein Arzt sie in der Vergangenheit falsch behandelt hat, können sie sich nun an ihre gesetzliche Krankenkasse wenden. Denn diese sind verpflichtet, in solchen Fällen beratend tätig zu werden. Bestehen die Anschuldigungen zu Recht, helfen die Kassen auch dabei, ein Schmerzensgeld durchzusetzen. Auf diese Punkte wies aktuell die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hin. Um seine Ansprüche von der Kasse durchsetzen zu lassen, ist allerdings die Voraussetzung, dass der Behandlungsfehler auch im Rahmen einer Kassenleistung entstand.

So setzen Betroffene ihre Ansprüche durch

Die Krankenkasse berät Betroffene persönlich oder telefonisch – auf Wunsch auch anonym. Dabei muss der Versicherte seine Beschwerden und den Fall so ausführlich wie möglich schildern. In dem Gespräch mit dem Kassenmitarbeiter wird der Patient über seine Rechte aufgeklärt.

Anhand von internen Daten und Informationen prüft die Krankenkasse danach, ob ein Behandlungsfehler vorliegen kann. Ein mögliches Indiz ist beispielsweise, dass der Patient nach einer Routine-Operation in eine andere Klinik oder in eine Spezialklinik verlegt wurde. Krankenkassen sind berechtigt, sich Behandlungsunterlagen von Krankenhäusern und Ärzten zu besorgen. Ebenso wie Röntgenaufnahmen und Untersuchungsbefunde. Hierfür muss der Betroffene seinen Arzt von der Schweigepflicht entbinden. Die Krankenkasse kann ihn darum bitten, ein schriftliches Gedächtnisprotokoll zu erstellen.

Kostenfreie Gutachten durch Medizinischen Dienst

Erhärtet sich der Verdacht auf einen Behandlungsfehler, wird der Medizinische Dienst hinzu gerufen. Die Kasse beauftragt den MDK mit einem Gutachten, welches später zur Grundlage für eine gerichtliche oder außergerichtliche Einigung wird. Der Betroffene kann bei seiner Krankenkasse eine schriftliche Stellungnahme einfordern, wenn ihm kein ausführlicher Bericht ausgehändigt wird. In dieser Stellungnahme stehen die Fakten, warum im Fall eines negativen Gutachtens kein Behandlungsfehler vorliegt und auch, warum unter Umständen von einer Fortführung der Klage auf einen Behandlungsfehler abgeraten wird. Die Verbraucherzentrale rät bei allen offenen Fragen den zuständigen Mitarbeiter der Kasse anzusprechen.

Ist die Kasse aufgrund des Gutachtens der Meinung, dass ein Behandlungsfehler vorliegt, sollte sich der Betroffene einen Anwalt mit Fachrichtung Medizinrecht suchen. Der Anwalt wird die Ansprüche seiner Mandanten durchsetzen und ebenfalls dafür Sorge tragen, dass keine Verjährungsfristen überschritten werden.

Mitglieder der Techniker Krankenkasse erhalten kostenlose Gutachten bei fehlerhaften Medizinprodukten

Mitglieder der Techniker Krankenkasse erhalten zukünftig in Streitfällen wegen fehlerhafter Medizinprodukte ein kostenloses Rechtsgutachten. Damit will die Kasse zum einen ihren Versicherten helfen, zum anderen aber auch selber Regressansprüche geltend machen. Somit ist die Techniker gemäß eigenen Angaben in Deutschland die erste Krankenversicherung, die das anbietet.

Wie zuvor geschrieben, können bereits jetzt Patienten, die einen Behandlungsfehler vermuten, ein kostenfreies medizinisches Gutachten über ihre Krankenkasse beim Medizinischen Dienst beantragen. Neu sind nun die kostenlosen juristischen Gutachten bei fehlerhaften Herzschriftmachern, Hüft- und Kniegelenken sowie anderen Medizinprodukten. Diese Gutachten sollen dabei helfen zu entscheiden, ob sich eine Klage lohnt.

Bildquelle: 1516912746 – blu-news.org (Bestimmte Rechte vorbehalten)