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Muss die Krankenkasse für eine Perücke bei glatzköpfigen Männern aufkommen?

Mann mit GlatzeMit dieser Frage beschäftigte sich kürzlich das Bundessozialgericht. In bestimmten Fällen haben Männer Anspruch auf Erstattung einer Perücke, in anderen Fällen wiederum nicht. Muss nun die Krankenkassen einem 76-jährigen Mann eine Perücke bezahlen? Die Auflösung: immer dann, wenn eine Krankheit vorliegt und der unbehaarte Kopf ohne Wimpern, Brauen und Bart eine entstellende Wirkung hat.

Perücke wurde bis 2006 noch übernommen

Im nachfolgend geschilderten Fall wies jedoch der 3. Senat die Revision eines Mannes aus Rheinland-Pfalz zurück. Dieser litt bereits seit 1983 an Haarlosigkeit. Bis zum Jahr 2006 zahlte die gesetzliche Krankenkasse die Perücke, danach wurde die Erstattung abgelehnt, da bei Männern eine Glatze keine Auffälligkeit sei, die zudem nicht störe. Genau dagegen richtete sich nun die Klage des Mannes. Ihm verursache der Haarverlust einen hohen psychischen Leidensdruck. Zudem fühle er sich, weil Frauen in ähnlicher Lage eine Perücke bezahlt bekommen, wegen seines Geschlechts benachteiligt.

Die Vorinstanzen hatten allesamt die Klage abgewiesen, denn eine Glatze sei bei Männern akzeptiert. Bei Frauen hingegen komme dies nur sehr selten vor – so die Argumentation. Zu Recht bestätigte nun das Bundessozialgericht in Kassel. Die Haarlosigkeit eines Mannes habe keine entstellende Wirkung – auch wenn der Betroffene das anders empfindet. In der Regel haben Männer ohne Haare keinen Anspruch auf Zahlung einer Perücke. Es gibt jedoch Ausnahmen: Kinder und junge Männer bis 30 Jahre, denen nicht nur das Haar, sondern auch krankheitsbedingt der Bartwuchs, die Brauen und Wimpern fehlen, können von ihrer Krankenversicherung Perücken bezahlt bekommen.

Haarverlust bei Männern normal

Der Senat begründete mit Az.: B 3 KR 3/14 R, dass bei Männern ein Haarverlust üblich sei und das auch die Benachteiligung gegenüber Frauen rechtfertigt. Somit wies das Gericht die Klage des Mannes ab, der bereits seit seinem 45. Lebensjahr an vollständiger Haarlosigkeit und einer mit Sonnenempfindlichkeit verbundenen Erkrankung der Haut leidet.

Die Kunsthaarperücke für 820 Euro wurde dem Mann ärztlich verordnet. Diese Kosten verlangte er von seiner Krankenkasse zurück – schließlich gehe es bei ihm nicht um einen altersbedingten oder genetisch üblichen Haarverlust, sondern um eine Krankheit. Dies würde die Ungleichbehandlung nicht rechtfertigen. Die Richter zu ihrem ablehnenden Urteil: Bei Frauen gibt es keinen Haarverlust aus biologischen Gründen und eine Frau ohne Kopfbehaarung ziehe die Blicke anderer auf sich. So sei die Versorgung einer Frau mit einer Perücke Aufgabe der gesetzlichen Krankenversicherung – die eines Mannes jedoch nicht.

Autorin: Christine Krellner (Google+ Profil)
Bildquelle: 8245070157 (CC0) amarillyon – Flickr.com (Bestimmte Rechte vorbehalten)